Bei den Taliban in Kandahar 1995: «Wir würden wohl erschossen!»

Ahmed Rashid 1995 beim Interview mit Taliban-Führern, die sich nicht filmen lassen wollten, nicht einmal ihre Schuhe. Bild/Screenshot: YouTube/Journeyman Pictures

LONDON, Großbritannien — Die Taliban tauchten in den frühen 1990er Jahren im Süden Afghanistans scheinbar aus dem Nichts auf. Anfang 1995 nahmen sie Kandahar ein, und Ahmed Rashid gehörte zu den ersten Journalisten, die versuchten, mehr über sie und ihre Absichten zu erfahren.

In diesem als Zeitdokument äußerst sehenswerten Fernsehbericht, der damals für den australischen Sender ABC entstand, kann man nachfühlen, wie gespenstisch die Herrschaft war, die die Taliban errichteten, und wie schwierig die Bedingungen für eine Berichterstattung waren. Beim Besuch einer Schule wurde Rashid und seinem Fernsehkollegen die Kamera aus der Hand geschlagen, das Gerät zerstört. Mit «der letzten Homevideokamera, die in Kandahar aufzutreiben war» — die Taliban verboten mit als Erstes Fernsehen und Fotografieren —, ging es unter Lebensgefahr trotzdem weiter. Was wohl passieren würde, wenn man sie erwischte, kommt die Frage aus dem Off, und Rashid antwortete (bei 4:06) lachend: «Wir würden wohl erschossen!» («We’d probably get shot!»).

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David Cameron, heimlicher «europhile»?

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron in Lancaster House, 2. November 2010. Bild: Nummer 10 Downing Street

LONDON, Großbritannien — Das Anfang November vom britischen Premierminister David Cameron und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy unterzeichnete Militärabkommen hat die britische Boulevardpresse nur verhältnismäßig leicht in Wallung gebracht. «Shoot Alors!», titelte beispielsweise die auflagenstarke und resentimentbegabte Sun eher harmlos, während es — vielleicht bezeichnend — später in den Sportseiten des Blattes hieß, die Franzosen bekämen nun «unsere Flugzeugträger und Nukleargeheimnisse in ihre schmuddeligen Finger.» (Das sei leichter zu ertragen, weil die «französische Geheimwaffe», Stürmerstar Nicolas Anelka vom Chelsea F.C., längst in «englischer Hand» sei.)

Tatsächlich geht die Kooperation weiter, als viele es dem eigentlich als «Antieuropäer» einsortierten Cameron zugetraut hätten. Zwar hat Cameron betont, weder Frankreich noch Großbritannien würden mit dem Abkommen, das unter anderem den Aufbau einer britisch-französische Eingreiftruppe und die Zusammenarbeit bei der Nuklearwaffentechnik vorsieht, irgendwelche Souveränitätsrechte aufgeben. Aber wie souverän ist ein Land, das sich Flugzeugträger mit einem anderen teilt?

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Gouverneur: Lage in Helmand besser als berichtet; Ex-Botschafter widerspricht

Gulabuddin Mangal (rechts) mit dem US-Oberkommandierenden General David Petraeus, 26. Juli 2010. Bild: US Marine Corps/Cpl. Lindsay L. Sayres, via ISAF-Media.

LONDON, Großbritannien — Die Lage in der afghanischen Krisenprovinz Helmand, die in den letzten Jahren zu weiten Teilen von den Taliban beherrscht wurde und zudem Hochburg des Mohnanbaus und der Opiumproduktion war, ist heute angeblich besser als weitgehend angenommen. «Es ist bedauerlich, dass die Fortschritte, die wir erreicht haben, nicht gesehen und nicht berichtet werden», sagte der Gouverneur von Helmand, Gulabuddin Mangal, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im britischen Außenministerium. Die Verbesserung sei insbesondere auf die US-Marines zurückzuführen, die im Laufe des vergangenen Jahres an vielen Orten das Kommando von den seit 2005 dort stationierten Briten übernommen haben.

Laut Mangal, der wie derzeit in Großbritannien üblich zum Gedenken der Weltkriegstoten eine rote Papiermohnblume («poppy») im Knopfloch trug, waren bei seinem Amtsantritt im Mai 2008 nur sechs von 13 Distrikten in Helmand unter Kontrolle der Regierung. Bis heute sei die Zahl auf zehn Distrikte gestiegen. In fünf Distrikten — Nad Ali, Nawa, Gereshk, Garmsir and Lashkargah  — habe er seine Beamten kürzlich angewiesen, mit dem Auto zu fahren statt Hubschrauber zu benutzen, so sehr habe sich die Situation verbessert.

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Endspiel in Afghanistan

BERLIN, Deutschland/LONDON, Großbritannien — Nach neun Jahren ist der jüngste Afghanistankrieg praktisch zu Ende.

Seit den Äußerungen des amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates am Rande der NATO-Tagung in Brüssel («Wir müssen offen sein für Möglichkeiten, die sich bieten.») ist klar, dass am Hindukusch das Endspiel begonnen hat und dass alles auf eine Verhandlungslösung mit den Taliban herausläuft  — wie es Ahmed Rashid anlässlich der Vorstellung seines Buches «Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban» in Berlin und auch im obigen Webvideo im Grunde skizziert hat. Erste Versuche in diese Richtung unter der Vermittlung der Vereinten Nationen scheiterten Anfang des Jahres noch an Pakistans Armee und deren Geheimdienst ISI, der verhandlungsbereite Taliban-Führer festsetzte.

Nun scheint Pakistan mit an Bord zu sein. Der Westen ist wohl noch nicht direkt an den Gesprächen zwischen der Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai und hohen Taliban-Vertretern beteiligt.

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Ahmed Rashid, Joschka Fischer und «Sturz ins Chaos» in der American Academy

Joschka Fischer und Ahmed Rashid in der American Academy in Berlin, 14. September 2010. Bilder: colornoise.

BERLIN, Deutschland — Wie sie sich kennengelernt hätten, wollte Joschka Fischer erst auf dem Podium verraten: «Warten Sie’s ab!»

In seiner bedächtigen Art erzählte der frühere Bundesaußenminister und Vizekanzler (1998—2005) der Grünen dann auf der kleinen Bühne der American Academy am Wannsee, dass er auf Ahmed Rashid noch vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aufmerksam geworden sei. Das damals in Englisch erschienene Buch «Taliban» bestellte sich Fischer als erste Publikation überhaupt im Internet — «ein Meilenstein meiner persönlichen Konsumgeschichte.»

Nach dem «11. September» las er das Buch ein zweites Mal und lud unseren Autor zu einem Gespräch ein; die beiden trafen sich einen Tag nach der Unterzeichnung des Abschlussdokuments der Petersberger Afghanistan-Konferenz Anfang Dezember 2001, die einen der vielen spannenden Schauplätze von Ahmed Rashids kürzlich in deutscher Ausgabe erschienenem Buch «Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban» bildet. Später sah man sich oft bei Fischers Besuchen in Pakistan. «Ich habe viel von ihm gelernt», sagte Fischer schlicht.

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