«Die kommende Zeit wird sehr gefährlich»

«Ich bin sicher, dass es terroristische Anschläge in der ganzen Welt als Rache für Osama bin Ladens Tod geben wird. Die kommende Zeit wird sehr gefährlich», warnt unser Autor Ahmed Rashid in einem hörens- und lesenswerten Interview im Deutschlandfunk.

Rashid glaubt aber auch, dass der Tod bin Ladens Gespräche über eine politische Lösung in Afghanistan erleichtern wird. «Es gibt bereits Gespräche zwischen Karsai, den Amerikanern und den Taliban, das wissen wir. Das Problem war bisher, dass die Amerikaner darauf bestanden haben, dass die Taliban von Al-Qaida abrücken oder diese Verbindung aufgeben. Jetzt, wo bin Laden tot ist, wird es einfacher. Den Taliban wird es helfen, mit Karsai und den Amerikanern zu verhandeln.»

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Was der Tod von Osama bin Laden bedeutet

«Einige Staaten sind besonders gefährdet. Da ist vor allem Afghanistan. Dort ist der Franchise-Gedanke von Al-Qaida unter Dschihadisten besonders verbreitet. Allerdings unterhielt Al-Qaida seine Basis in letzter Zeit in Pakistan — trotz einer Serie von Dementis der pakistanischen Behörden, die sich jetzt als falsch erwiesen haben. Und es ist diese Verbindung, die Pakistan extrem verwundbar macht», schreibt unser Autor Ahmed Rashid in der Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau.

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Hariri-Mord: Warten auf die Anklage

Kurzlebiger «Beiruter Frühling» nach dem Mord an Rafiq Hariri 2005. Bild: Markus Bickel.

Von MARKUS BICKEL

BERLIN, Deutschland — Die juristische Aufarbeitung des Mordfalls Rafiq Hariri wird mehr und mehr zu einer Medienstory. Fast sechs Jahre nach dem Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten am Valentinstag 2005 liegt noch immer keine Anklage vor. Der kanadische Chefermittler des eigens für den Fall eingerichteten UN-Tribunals in Den Haag, Daniel Bellemare, weigert sich beharrlich, Auskünfte über den Stand der Ermittlungen zu erteilen. Das macht auch seinen Pressesprechern die Arbeit schwer. Erst im September trat Henrietta Aswad den Posten an. Ihre Vorgängerin Fatima el Issawi hatte es keine acht Monate in Bellemares Büro ausgehalten, ihre Vorvorgängerin Radhia Achouri verließ das Tribunal nur neun Monate nach seiner Gründung. «Zu operativen Details der Ermittlungen können wir keine Stellung nehmen», dürfte ihre häufigste Stellungnahme gewesen sein.

Leicht wird auch Aswad die Zusammenarbeit mit ihrem Chef wohl nicht fallen. Der geriet erst im November unter Beschuss aus seinem Heimatland Kanada. Der Fernsehsender CBC hielt Bellemare vor, die Ermittlungen zu verschleppen — und Zeugen nicht ausreichend zu schützen. Unter Berufung auf Quellen aus dem Sondertribunal wiederholte CBC-Reporter Neil Macdonald, was im Mai 2009 bereits der SPIEGEL behauptet hatte: Bellemare arbeite an einer Anklage gegen Mitglieder der Hizbollah. Die Reaktion aus Den Haag war heftig, im November wie im Frühjahr vergangenen Jahres: «Der schwerwiegendste Auswirkung des CBC-Berichts ist, dass seine Ausstrahlung Menschenleben in Gefahr bringt», teilte Bellemare mit.

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Ein falscher Mullah

LONDON, Großbritannien — Afghanistans Präsident Hamid Karzai und die NATO-ISAF sind wohl über Monate einem Hochstapler aufgesessen, der sich als «Nummer Zwei» der Taliban, Mullah Akhtar Muhammad Mansour, ausgab. Mit diesen offenbar nur vorgetäuschten Friedensfühlern hatten sowohl Karzai als auch der amerikanischer Oberkommandierende in Afghanistan, General David Petraeus, einige Hoffnungen verbunden.

Die New York Times/International Herald Tribune berichtete Anfang der Woche, die afghanische und die amerikanische Regierung seien sich nun sicher, dass es sich bei dem Mann, der zu drei Gesprächsrunden aus Pakistan — das der Taliban-Führung Unterschlupf gewährt — nach Afghanistan reiste, nicht um Mullah Mansour gehandelt habe. Zum zweiten Treffen wurde der Mann von der NATO nach Kabul geflogen und in den Präsidentenpalast zu Gesprächen mit Karzai geschleust. «Wir haben ihm eine Menge Geld gegeben», klagte ein westlicher Diplomat. «Die Taliban sind gerissener als die Amerikaner und unser eigener Geheimdienst», zitierte die Zeitung einen hochrangigen afghanischen Offiziellen. «Sie spielen Spielchen.»

In der Washington Post gab am Freitag Karzais Stabschef Mohammad Umer Daudza den Briten die Schuld für das Fiasko. Sie hätten den falschen Mullah eingeführt. «Das zeigt, dass dieser Prozess vollständig in den Händen von Afghanen liegen sollte», sagte Daudza. Die britische Regierung lehnte eine Stellungnahme ab. Laut Washington Post handelt es sich bei dem vermeintlichen hochrangigen Taliban-Führer um einen Ladenbesitzer aus Quetta.

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Nicht ohne die Vereinigten Staaten: Vom Verhandeln mit den Taliban

Regierungsmitglieder und Stammesälteste der Provinz Kunar wählen Vertreter für die regionale Friedens-Jirga aus, 22. Oktober 2009. Bild: Tony Wickman, US Air Force, via ISAF-Media

Von AHMED RASHID

LAHORE, Pakistan — Mitte Oktober wurde in Kabul ein kleiner Wendepunkt erreicht, der den Krieg in Afghanistan durch eine Verhandlungslösung zwischen den afghanischen Taliban und der Regierung von Präsident Hamid Karzai beenden könnte —allerdings erst in fernerer Zukunft. Nach jahrelangem Insistieren darauf, dass die Taliban zunächst geschwächt und zur Unterwerfung gezwungen werden müssten, bevor Verhandlungen stattfinden könnten, halfen amerikanische und NATO-Streitkräfte hochrangigen Taliban-Vertretern bei der Reise nach Kabul, um mit Karzai Gespräche zu führen.

Allerdings ist bei dem Hype, der daraufhin in der amerikanischen Presse folgte, und dem Lob, das über dem amerikanischen Oberbefehlshaber General David Petraeus ausgeschüttet wurde — David Ignatius beschrieb ihn in der Washington Post einem modernen Julius Caesar gleich als «Krieger-Staatsmann» — die Vorgeschichte solcher «Verhandlungen über Verhandlungen» außer Acht gelassen worden, ebenso die atemberaubende Zahl von Problemen und Komplexitäten, die es zu lösen gilt, bis auch nur der kleinste Fortschritt erzielt werden kann.

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