LONDON, Großbritannien — Afghanistans Präsident Hamid Karzai und die NATO-ISAF sind wohl über Monate einem Hochstapler aufgesessen, der sich als «Nummer Zwei» der Taliban, Mullah Akhtar Muhammad Mansour, ausgab. Mit diesen offenbar nur vorgetäuschten Friedensfühlern hatten sowohl Karzai als auch der amerikanischer Oberkommandierende in Afghanistan, General David Petraeus, einige Hoffnungen verbunden.
Die New York Times/International Herald Tribune berichtete Anfang der Woche, die afghanische und die amerikanische Regierung seien sich nun sicher, dass es sich bei dem Mann, der zu drei Gesprächsrunden aus Pakistan — das der Taliban-Führung Unterschlupf gewährt — nach Afghanistan reiste, nicht um Mullah Mansour gehandelt habe. Zum zweiten Treffen wurde der Mann von der NATO nach Kabul geflogen und in den Präsidentenpalast zu Gesprächen mit Karzai geschleust. «Wir haben ihm eine Menge Geld gegeben», klagte ein westlicher Diplomat. «Die Taliban sind gerissener als die Amerikaner und unser eigener Geheimdienst», zitierte die Zeitung einen hochrangigen afghanischen Offiziellen. «Sie spielen Spielchen.»
In der Washington Post gab am Freitag Karzais Stabschef Mohammad Umer Daudza den Briten die Schuld für das Fiasko. Sie hätten den falschen Mullah eingeführt. «Das zeigt, dass dieser Prozess vollständig in den Händen von Afghanen liegen sollte», sagte Daudza. Die britische Regierung lehnte eine Stellungnahme ab. Laut Washington Post handelt es sich bei dem vermeintlichen hochrangigen Taliban-Führer um einen Ladenbesitzer aus Quetta.